The Unseen gibt es nun schon seit fast 15 Jahren dennoch sind sie hierzulande zum Teil noch sehr unbekannt, aber dass wird sich sicher nach ihrer momentan laufenden Tour mit Anti-Flag ändern!
MS: Kannst du dich zuerst einmal unseren Lesern vorstellen?
MU: Ja klar, ich bin Mark und singe bei „The Unseen.“
MS: Wie läuft die Tour?
MU: Sehr gut soweit, wir spielen erst unsere dritte Show heute. Bei unserem ersten Auftritt, waren wir total müde von der Zeitumstellung, und wir müssen uns immer noch daran gewöhnen.
MS: Gefällt es dir in Europa?
MU: Ja schon, als wir vor 6 Jahren hier waren, hat es mir nicht so gefallen, da wir nur schlechte Erfahrungen gemacht haben. Denn wir hatten kein Geld um irgendwo hinzukommen und außerdem gewisse Sprachprobleme. Aber jetzt bin ja einwenig älter und weiß es auch zu schätzen was ich hier in Europa alles zu sehen bekomme und durch unsere neue Plattenfirma Hellcat ist auch alles viel einfacher hier. Wir wissen, dass wir einen Ansprechpartner in Amsterdam haben, falls wir irgendwelche Probleme haben sollten. Zurzeit gefällt es mir viel besser hier in Europa auf Tour zu sein als in den USA, denn wir haben schon so oft in den USA getourt und die Tour jetzt in Europa ist endlich mal etwas komplett Neues für uns.
MS: Hast du auch ein Lieblingsland hier?
MU: Lass mich mal überlegen … Spanien find ich ist ein tolles Land. Wir haben dort vor ein paar Monaten gespielt. Aber ich fände es einwenig hart von mir zu sagen, dass ich gewisse Länder lieber mag als andere, aber Spanien ist so ein Land wo ich mir dachte da werde ich einfach niemals hinkommen. Vom Publikum her würde ich sagen ist London also England, eins meiner Lieblingsländer, da das Konzerte wirklich toll war. Viele Leute kannten unsere Lieder und sangen mit. Du musst wissen, wir haben ja erst mit der Tour angefangen und sind noch ziemlich unbekannt hier in Europa, deswegen hat mir das Konzert in London so große Freude bereitet.
MS: Eure letzte CD „State of Discontent“ wurde über Hellcat veröffentlicht, produziert von Ken Kasey von den „Dropkick Murpyhs“ und gemixt von Brett Gurewitz. Wie kam die Zusammenarbeit zustande und wieso habt ihr entschlossen euer altes Label BYO zu verlassen und zu Hellcat zu wechseln?
MU: Ich denke ich fange mit dem Labelwechsel an. Wir waren schon immer eine Band, die 1 bis 2 Alben auf einem Label machte und dann wurden wir so bekannt, dass wir dachten wir könnten nicht mehr bekannter werden. Deshalb versuchen wir dann immer etwas neues. Unsere ersten CDs wurden bei A-F Records veröffentlicht, aber nach der Veröffentlichung von unserer 2ten CD dort, sagte Pat von Anti-Flag zu mir, dass sie total gerne unser nächstes Album aufnehmen würden und alles, aber wir sollten uns lieber ein neues Label suchen, da sie nicht in der Lage sein werden uns richtig zu unterstützen. Denn am Anfang wurde A-F Records nur von Justin, Pat und Chris Head geleitet. Sie waren nie zu hause, da sie ja die ganze Zeit mit Anti-Flag auf Tour waren. Sie sagten, wir verdienten mehr als sie uns bieten könnten und haben uns somit den Wechsel zu BYO veranlasst und möglich gemacht. Bei BYO waren wir auch seit 1999 fünf Jahre lang und haben dort 2 Alben veröffentlicht. Sie halfen uns wieder ein Level aufzusteigen, denn wir verkauften viel mehr CDs über BYO als damals bei A-F Records und hatten auch mehr neue Möglichkeiten in Sachen Touren usw. Als wir dann unser aktuelles Album „State of Discontent“ veröffentlichen wollten, wussten wir, wenn wir bei BYO bleiben, wird es wohl genauso gut laufen wie mit der letzten CD, aber wohl nicht viel besser. Wir dachten uns wenn wir uns ein neues Label suchen würden, läuft sicher alles so gut wie zuvor oder vielleicht noch einwenig besser. Deshalb entschieden wir uns zu Hellcat zu wechseln…
MS: Jetzt ist es auch viel einfacher eure CDs hier in Europa zu bekommen, denn ich musste damals schon länger suchen um „The Anger and the Truth“ zu bekommen…
MU: Ja, das war auch ehrlich gesagt einer der Hauptgründe für den Labelwechsel, da es nun viel einfacher ist unsere CDs in Japan, Australien und Europa zu bekommen. Bei der Sache mit Ken Kasey war es so, wir suchten jemand der uns beim Produzieren der CD einwenig hilft. Wir wussten, dass Ken gut dafür wäre, denn wir kannten ihn schon länger und er würde nicht versuchen uns bei der Produktion reinzureden. Brett Gurewitz wollte die CD dann mixen und das war natürlich eine tolle Gelegenheit, da wir alle „Bad Religion“ lieben und mit ihnen groß geworden sind. Ich weiß nicht, ob dass viele Leute wissen, aber Brett hat viele Bad Religion CDs produziert und gemixt, fast jede „Rancid“ CD, die beiden „Lars Frederisken and the Bastard“ Alben und viele „Pennywise“ Alben. Für uns war klar, dass wir mit ihm zusammenarbeiten werden falls es sich ergibt. Da er wirklich sehr viel Ahnung vom mixen hat und schließlich auch aus einer von unseren Lieblinsbands stammt.
MS: Ihr seid zurzeit mit Anti-Flag auf Tour und eure erste CD „Lower Class Cruxifiction“ wurde über A-F Records veröffentlicht. Wie kam das alles zusammen?
MU: Unsere erste CD wurde damals erst über BML, eine kleine Firma aus Chicago, veröffentlicht, aber die ging Pleite. Wir waren dann mit Anti-Flag auf Tour und erzählten ihnen, dass wir keine CDs mehr haben weil unsere Plattenfirma Pleite ging. „Anti-Flag“ hatten zu dieser Zeit ihrer Label gerade erst gestartet und sie sagten sie, würden sehr gerne unsere CD auf den Markt bringen. Wir sind schon seit fast 12 Jahren mit „Anti-Flag“ befreundet, ich hab sie mal live gesehen, wo sie nur vor 6 Leuten spielten (lacht). Wir haben ja nach „Lower Class Cruxifiction“ noch eine CD über A-F Records veröffentlicht und vor über 5 Jahren waren wir mit ihnen auf Tour, aber haben seit dem nichts gemeinsam mehr gemacht, weil wir alle sehr beschäftigt waren. Aber nun ging ja wieder was zusammen, sie fragten uns, ob wir mit ihnen auf Tour gehen möchten, da sie ja eine CD veröffentlicht haben. Vor dieser Tour tourten wir auch mit ihnen in Amerika. Es ist wirklich toll wieder mit ihnen auf Tour zu sein, fühlt sich beinahe an wie eine High School Reunion. (lacht)
MS: Habt ihr schon Pläne für eine neue CD oder auch eine DVD?
MU: Ja auf jeden Fall. Wir wollen eine DVD machen , eine CD und falls es möglich ist ältere Sachen von uns, die sehr schwer zu bekommen sind, noch mal neu aufnehmen und veröffentlichen. Aber unser Hauptziel ist das nächste Album. Ich finde ist es wichtiger in die Zukunft zu blicken und nicht zu versuchen die Vergangenheit wiederaufleben zu lassen. Im Moment haben wir 7 Lieder, die so gut wie fertig sind und von denen wir auch schon, für uns, Demos aufgenommen haben. Ein paar Lieder davon werden vielleicht nicht auf die CD kommen oder wir werden sie nochmals verändern. Wir hoffen, dass wir so im Sommer 2007 eine CD veröffentlichen können.
MS: Ist irgendjemand in „The Unseen“ Vegetarier?
MU: Im Moment niemand. Zwei von uns waren Vegetarier aber sie gaben es auf. (lacht)
MS: Aus welchen Gründen habt ihr die Band gegründet?
MU: Einfach aus Spaß. Ich, Scott und Tripp sind alle in der gleichen Stadt groß geworden. Wir hatten nie etwas zu tun und es gab nicht wirklich viele Punks in unserer Stadt. Wir spielten alle ein Instrument und deswegen hingen wir einfach zusammen ab und machten Musik. Das machten wir so gut wie jeden Tag. Nach der Schule gingen wir zu Tripp nach Hause und probten bei ihm. Wir waren einfach drei junge Punks, hatten nichts zu tun und deshalb gründeten wir die Band.
MS: Kannst du dich noch an das erste The Unseen Lied erinnern?
MU: Der erste Unseen Song …..
MS: … oder den ersten den ihr aufgenommen habt.
MU: Den ersten Song, den wir aufnahmen war für unsere erste 7“ „Too young and too reckless to care“. Um die 15 Lieder haben wir damals aufgenommen, aber nur 6 oder 7 veröffentlichten wir dann. Aber ich glaub eins der ersten Lieder hieß, „Preacher, Scumbag“. Wir spielen keinen mehr davon. (lacht). A.D.D war auch einer der ersten, den spielen wir sogar manchmal noch.
MS: Was würdest du machen, wenn du nicht in „The Unseen“ spielen würdest?
MU: Wenn ich nicht bei Unseen spielen würde, würde ich sicher in einer anderen Band spielen. Ich liebe es einfach Musik zu machen.
MS: Wie läuft ein typischer Unseen Tourtag ab?
MU: Ich bin der erste der aufwacht (lacht). Hier in Europa wollen wir alle immer so viel wie möglich sehen, denn wir sind ja schließlich in einem anderen Land. Ich stehe meistens auf, hol mir meinen Ipod und mache einfach einen kleinen Spaziergang um zusehen, was es hier so gibt – alte Gebäude, eine Kirche oder einen Friedhof oder so etwas. Wir wollten heute nach Dachau gehen, um das KZ zu sehen. Ist sicher sehr interessiert, aber natürlich auch bedrückend. Aber wir hatten leider nicht die Zeit. Ein Freund von mir war dort und hat mir erzählt, sobald du dort bist, bekommst du einfach so ein Gefühl der Betroffenheit. Es ist schade, dass wir die Zeit nicht hatten aber vielleicht ein anderes Mal.
MS: Wie würdest du Unseen in einem Satz beschreiben?
MU: The Unseen in einem Satz, mh …. Wir nehmen uns selbst nicht zu ernst (lacht). Gibt das Sinn?
MS: Ja, ich denke schon. Was waren deine Lieblingsbands in deiner Jugend und welche haben die „The Unseen“ beeinflusst?
MU: Viele meiner Lieblingsbands von damals sind auch heute noch Lieblingsbands von mir. Bad Religion, haben wir ja vorher schon drüber geredet. Social Distortion, Minor Threat, The Exploited, Dead Kennedys. Es sind einfach sehr viele. Wenn man älter wird, lernt man auch immer neue Bands kennen. Egal, ob es ganz neue Bands sind oder Bands die schon seit Jahren unterwegs sind. Ich mag einfach so viel Musik. Bands, die ich zurzeit sehr oft höre sind Blood for Blood oder Strike Anywhere. Größtenteils sehr junge Bands. Sick of it All mag ich auch sehr gerne.
MS: Meinst du ein Majorlabel wäre interessiert an „The Unseen“, und wäre es für euch selbst interessant zu wechseln?
MU: Um ehrlich zu sein, würde ich wohl nein zu einem Major sagen, aber man weiß ja nie was kommt. Meiner Meinung nach ist es gefährlich, viele Punkbands hatten ja nicht gerade sehr großen Erfolg auf einem Majorlabel. „Social Distortion“ z.B., sie gingen zum Major aber sind jetzt auch wieder auf einem Indie Label. „Rise Against“ sind die noch auf einem Major?
MS: Ja sind sie.
MU: Viele Bands gehen zum Major, aber sie werden dadurch nicht besser, oft verlieren sie sogar an Popularität. Ich denke gerade über ein gutes Beispiel nach… Ahja, Bad Religion. Sie gingen zum Major und Brett selbst hat mir erzählt, dass es keine gute Idee war. „Offspring“ veröffentlichten Smash über Epitaph und die CD verkaufte sich viel viel besser als die Bad Religion CDs über Atlanta. Es ist ein großes Risiko, zu einem Major zu wechseln, finde ich persönlich.
MS: Wenn ihr einem Major wärt, müsstet ihr sicher öfter Autogramme usw. geben, magst du so etwas?
MU: Wir machen das im Moment auch schon zum Teil. Ich bin nie gemein zu Leuten, aber als ich früher nach einem Autogramm gefragt wurde, habe ich immer nein gesagt, da ich nicht daran glaubte. Aber mit der Zeit, wenn man älter wird, und die Leute die mich nach einem Autogramm immer jünger werden, mach ich es schon, denn sie haben ja auch 8-9€ für das Konzert bezahlt. Wie viel kostet es eigentlich heute?
MS: 19€ ..
MU: 19€ ?!?!? Holy shit (lacht). Also wie gesagt, wenn sie so viel Geld für das Konzert bezahlt haben und mich fragen, ob ich einen Sticker oder sonst etwas unterschreiben kann, finde ich, dass ist das mindeste was ich tun kann. Aber wenn irgendeine dumme Göre daher kommt, die nicht mal weiß, wer wir sind oder sonst was und möchte dass wir auf ihren Brüsten unterschreiben, werde ich das sicher nicht machen. Wenn aber ein richtiger Fan kommt und fragt ob ich die CD unterschreibe, oder eine alte CD von uns mitnimmt und fragt ob wir da was draufkritzeln, mach ich das natürlich. Nichtsdestotrotz verstehe ich es immer noch nicht aber egal.
MS: Was war eure beste oder schlechteste Show?
MU: Ich glaub unser bestes Konzert war in Chicago zusammen mit den Bouncing Souls. Die sind wirklich großartig. Es waren über 1000 Leute da, was eine Menge ist, aber wir spielten schon mal vor mehr. Jeder dort ging total ab und hatte eine Menge Spaß. Unsere schlechtestes Konzert …, wir hatten viele schlechte von daher ist es schwer eine rauszupicken (lacht). Wir haben in Garagen, Gärten usw. gespielt von daher weiß ich wirklich nicht mehr welche Show zu den Schlechtesten gehört.
MS: Werdet ihr bald nach Europa zurückkommen, um selbst kleinere Shows zu spielen?
MU: Ja auf jeden Fall. Der Grund warum wir die Tour hier machen und die Eastpack antidote Tour vor ein paar Monaten, war dass wir Angst hatten was uns erwarten würde. Würde irgendjemand hier wissen wer „The Unseen sind“. Wir wollten nicht um die halbe Welt reisen, um dann vor niemanden zu spielen. Deswegen waren wir dann auf der Antidote Tour, obwohl die anderen Bands nicht so die Bands sind mit denen wir normal auf Tour gehen. Aber wir wussten wenn dort mittouren, spielen wir wenigstens vor ein paar Leuten. Wenn jemand ein Unseen Fans ist, wird er wohl kommen, trotz des hohen Preises, und wir erhofften uns dadurch auch neue Fans zu finden. Das ist mit dieser Tour hier fast genauso, wir lieben Anti-Flag, deshalb touren wir gerne mit ihnen, wie ich ja schon sagte. Jetzt sind wir bereit unsere eigene Headliner Tour hier zu machen, wir wissen nur noch nicht wann. Im Juli touren wir in Kanada und im September in Australien. Vielleicht kommen wir dann im Oktober oder November. Aber das ist noch nicht sicher, denn es könnte zu kalt sein (lacht) und auf der Tour krank zu werden ist wirklich was Beschissenes. Denn wenn wir allein kommen, werden wir wohl bei Leuten pennen oder im Van und da werde ich sehr leicht krank.
MS: Das wars. Vielen Dank.
MU: Ich danke dir. Cool, dass du es gemacht hast. Bis später dann.